FREIRAUM FESTIVAL | 8. + 9. Sept.

Vortragsreihe

Die von Roomstudies ausgerichtete Vortragsreihe unter dem Motto »Möglichkeitsräume in Leipzig (und darüber hinaus) – ein Exkurs in Theorie und Praxis« legt den Fokus auf eine künstlerisch-wissenschaftliche Annäherung an die wechselseitige Beeinflussung von Mensch und urbanem Raum. Referent_innen skizzieren Eigenschaften von (Frei-)Raum und geben Einblick in vielfältige Methoden der Stadtwahrnehmung.

Die Vorträge laden zu Diskussion und praktischer Anwendung ein: Welche Charakteristiken zeichnen einen physisch-materiellen Ort als Freiraum aus? Wie ist das Erleben von Stadt beschreibbar, wenn sie doch für die Einzelnen unüberschaubar bleibt? Kann durch ein zielloses Umherschweifen im sonst so vertrauten Stadtteil Unerwartetes vorgefunden werden? Wie beeinflusst eine private Wohnung auf der Eisenbahnstraße meine Handlungen?

Thematisch in zwei Blöcke zusammengefasst laden die Vorträge und ein Folgeworkshop alle Interessierten ein, sich Gedanken über die Wirkungen von (städtischem) Raum und der davon ausgehenden Vorprägung menschlichen Verhaltens zu machen. Können Räume so mit einem neuen Bewusstsein erlebt und bewohnt werden?

____________________________________________________________

Urst Urban, Magdeburg

Urst Urban, Magdeburg

Foto: Urst Urban in Magdeburg

Miriam Neßler,
HafenCity Universität Hamburg

9. September 2017, 11.30 – 12.15 Uhr
Seniorenbüro Ost

Panel I: Öffentliche und private (Frei-)Räume

Schutz als ambivalente Eigenschaft von Freiräumen

Vortrag mit Diskussion

Die Kulturwissenschaftlerin und Stadtforscherin Miriam Neßler untersucht an wechselnden Orten urbanen Freiraum als Grundlage für selbstbestimmtes Handeln. Mit Urst Urban, einem Projekt angesiedelt an der Schnittstelle von Gesellschaft, Kunst und Wissenschaft, schuf Neßler in Magdeburg für die Dauer von 31 Tagen eine Leerstelle im vorgeprägten Gefüge der Stadt – Ort des bedingungslosen Zusammentreffens, des Wohlfühlens und des unabhängigen Machens. Welche Charakteristiken sind für die Einordnung eines physisch-materiellen Ortes als Freiraum entscheidend? Basierend auf praktischen Erfahrungen und wissenschaftlicher Analyse versucht der Vortrag, das Verhältnis von schützender Funktion von Freiraum und die durch seine Offenheit ausgelöste Provokation zur eigenhändigen Gestaltung auszuloten.

Mehr Informationen zum Projekt Urst Urban gibt's hier.

Foto: lorgennale


Jean-Lorin Sterian,
SNSPA, Bukarest

9. September 2017, 19.00 Uhr

Panel I: Öffentliche und private (Frei-)Räume

Wichtig!
Die Veranstaltung ist nur besuchbar nach vorheriger Anmeldung via: https://goo.gl/forms/LAjHyI5VxpxhjyG22. Die Teilnehmer_innenzahl ist begrenzt.
Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt.

Homemade Culture

Lecture Performance

»Wo andere ein Wohnzimmer sehen, sehe ich eine Bühne.«

Der studierte Journalist und Anthropologist Jean-Lorin Sterian beschäftigt sich in seiner Praxis mit Gesellschaft, Medien und Spektakel. Sein Projekt lorgennale bringt theatrale und künstlerische Experimente in den bewohnten Raum, u.a. in Form eines international stattfindenden Performance-Festivals, welches ausschließlich in privaten Wohnungen verortet ist. Er selbst beschreibt seine Arbeit als das Kreieren von sogenannten »social frames« durch welche er verschiedene Ebenen von sozialen Beziehungen komponieren kann.

Welche Rolle spielen die Zuhörer_innen bei »homemade culture«? Wie beeinflusst eine Stadt, in diesem Fall Leipzig und die Wohnung auf der Eisenbahnstraße Jean-Lorin Sterians Vortrag?

Auf seinem homemade culture blog sammelt er schriftliche und fotografische Eindrücke »about the magic things that happen in the domestic box.« Der Blog entsteht im Rahmen einer Artist-Residency an der Akademie Schloss Solitude, Stuttgart.

... lest mehr in unserem Interview!

 

Foto: Während der Teilnahme am Video-Walk »Alter Bahnhof Video Walk« (2012) von Janet Cardiff & George Bures Miller auf der dOCUMENTA (13), Kassel

Dr. phil. in art. Birgit Szepanski,
Hochschule für Bildende Künste Hamburg

9. September 2017, 13.00 – 13.45 Uhr
Pöge-Haus

Panel II: Wahrnehmen und Erkunden von Stadt

Stadt sehen, hören, erinnern und erzählen

Vortrag mit Diskussion

Eine leerstehende Apotheke oder Bäckerei, in die ein Projektraum einzieht, bedeuten für die Leipzigerinnen und Leipziger etwas Unterschiedliches: Neuhinzugezogene und Alteingesessene nehmen Leipzig vor verschiedenen geschichtlichen, politischen und biografischen (Erfahrungs-)Hintergründen wahr. Stadt ist für jeden eine andere Stadt und ist daher ein prozesshafter Raum. Wie lässt sich die Prozesshaftigkeit und vielfältige Wahrnehmbarkeit von Stadt artikulieren? Wie kann (das Erleben von) Stadt beschrieben werden, wenn sie für die Einzelnen unüberschaubar ist? Wie beeinflussen ephemere Wahrnehmungen von Stadt – insbesondere im Leipziger Osten – das Leben in ihr?

Die Kunstwissenschaftlerin und Künstlerin Birgit Szepanski stellt zu diesen Fragestellungen performative Arbeiten der Künstlerinnen Janet Cardiff  (Kanada) und Elke Krasny (Österreich) vor: Sehen, hören, erinnern und erzählen sind in ihren künstlerischen Arbeiten Methoden, um anthropologische Räume in der geplanten Stadt zu artikulieren.

Mehr Informationen zur künstlerisch-wissenschaftlichen Arbeit von Birgit Szepanski finden sich hier.

... lest mehr in unserem Interview!

Foto: A Situationist Map of Paris


Robert Utech,
Kunstakademie und KIT Karlsruhe

9. September 2017, 13.45 – 15.45 Uhr
Pöge-Haus

Panel II: Wahrnehmen und Erkunden von Stadt

Dérive – Eine Einführung mit anschließender Wanderung

Vortrag mit Aktion

Das Flanieren, genauer das Dérive, beschreibt im Sinne Guy Debords ein zielloses, widerstandsloses Treibenlassen durch einen urbanen Raum zu Fuß. Dabei steht das Erkunden von Wirkungen psychographischer Natur und der Grundsatz eines konstruktiven Spielverhaltens des Dérive in jeder Hinsicht den klassischen Begriffen der Reise und des Spaziergangs entgegen: Das Schlendern durch die Innenstadt am verkaufsoffenen Sonntag ist kein Dérive! Was ist es dann?


Der Künstler und Geograph Robert Utech erläutert und kontextualisiert in seinem Vortrag das Konzept des Dérive. Anschließend erkunden wir Leipzigst Osten.


Einmal links, einmal rechts – eine Wanderung durch Leipzigs Osten

Zur Arbeit, Einkaufen, Erholung im Park, Freunde treffen und wieder zurück – Die meisten Stadtbewohner_innen folgen täglich denselben Wegen. Umwege kommen selten vor. Sie sind ein Hindernis auf dem direkten Weg von A nach B. Doch gerade auf diesen als Unannehmlichkeit wahrgenommenen Verlängerungen und Sackgassen kann Überraschendes passieren. Können durch ein zielloses Umherschweifen selbst im eigentlich so vertrauten Stadtteil unerwartete Geschichten entdeckt und spannende Begegnungen geschehen?

Gemeinsam machen wir eine Wanderung durch den Leipziger Osten – dabei immer der Nase nach, mit gespitzten Ohren und dem Blick für's Dazwischen, Sonderbare und auffällig Unauffällige.

Startpunkt: Pöge-Haus um 14.15 Uhr

 

 

Built with Berta.me